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Recht auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler stellt Stadt vor Probleme

Die Einführung eines Rechtsanspruchs auf ganztägige Betreuung für Erstklässler ist ein gesellschaftlich richtiger und längst überfälliger Schritt, der Familien wirklich entlasten und Chancengleichheit stärken kann. In Köln jedoch droht dieser gut gemeinte Fortschritt an der harten Realität zu scheitern – und das ist symptomatisch für ein tiefer liegendes Problem in der Kommunalverwaltung.
 
Die Stadt spricht von einer „Herkulesaufgabe“, bis zum kommenden Sommer ausreichend Plätze, Küchen und Betreuungsstrukturen zu schaffen. Diese Formulierung mag diplomatisch korrekt sein, zeigt aber auch: Es fehlte offenbar das vorausschauende Planen. Ein Rechtsanspruch, der seit Jahren absehbar ist und vom Bund per Gesetz eingeführt wurde, hätte längst in konkrete Investitions- und Personal-Planungen umgemünzt werden müssen – nicht erst, wenn der Stichtag unmittelbar bevorsteht.
 
Insbesondere die Aussagen aus den Grundschulen, wonach es an Räumen, Mensen und personellen Ressourcen mangelt, sind ein Armutszeugnis für das Bildungs- und Sozialmanagement der Stadt. Schulen sollen Betreuung leisten, nicht Betreuungs-Archäologie. Wenn schon heute „nur 220 von 300 Kindern im Ganztag betreut werden können“, dann ist klar: Angebot und Nachfrage klaffen auseinander. Eltern, insbesondere Alleinerziehende oder Familien mit geringen Einkünften, werden hier in die Bredouille gebracht: Sie sollen sich auf einen Rechtsanspruch verlassen können, doch die praktische Umsetzung bleibt vage.
 
Ein Grundproblem liegt in Kölns aktueller Finanzlage: Die Stadt kämpft mit angespannten Haushaltsressourcen und hat zuletzt sogar Haushaltssperren verhängt. Diese Situation wirkt sich unmittelbar auf Investitionen in Bildung und Betreuung aus und macht die kurzfristige Schaffung neuer Kapazitäten kaum einfacher. Wenn der Etat für freiwillige Angebote bereits stark beschnitten wird, wie etwa bei der Förderung außer schulischer Hausaufgabenhilfe, wird der Handlungsspielraum zusätzlich enger.
 
Hinzu kommt, dass die Verantwortung für die Finanzierung und Umsetzung solcher Rechtsansprüche zwischen Bund, Land und Kommune bislang unzureichend geklärt ist. In NRW haben mehrere Städte bereits rechtliche Schritte gegen Landesregelungen angekündigt, weil sie sich in der Finanzierung allein gelassen fühlen. Solche strukturellen Unklarheiten verkomplizieren die Lage zusätzlich und führen zwangsläufig zu Verzögerungen und Unsicherheiten vor Ort.
 
Ein Rechtsanspruch ist nur so viel wert wie seine praktische Umsetzung. In Köln stehen nun Eltern und Kinder im Regen, weil politische und administrative Akteur*innen wichtige Vorbereitungen nicht rechtzeitig getroffen haben. Es braucht jetzt mehr Mut zur Priorisierung von Bildungskapazitäten, einen klaren Finanzierungsplan und vor allem eine kommunale Strategie für den Ausbau von Räumen und Personalstrukturen – nicht erst im Sommer, sondern gestern.
 
Denn eines ist sicher: Ein Recht ohne Platz, Personal und Perspektive bleibt eine bloße Absichtserklärung. Kinder und Eltern haben ein besseres verdient.
 

Olympia oder NOlympia in Köln?

Seit der Ratsentscheidung im Frühjahr 2025, dass die Stadt Köln die Absicht der Teilnahme an der deutschen Bewerbung zur Olympiade 2036, 2040 oder 2044 aufrecht erhält (siehe Stadtrat unterstützt Olympia-Bewerbung), habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Die positive Sichtweise stellt sich logischerweise auf der offiziellen Seite Olympia an Rhein und Ruhr: kompakt, nachhaltig, spektakulär dar, während es bisher noch keine größere kritische Sichtweise in NRW respektive Köln gibt.

Die folgenden Aspekte sollen hierzu als Impuls dienen. Ich bin gespannt, wie sich die kommenden Monate bis zum Bürger*innenentscheid im April 2026 gestalten.

1. Historische & politische Bedenken

Eine Bewerbung für 2036 – 100 Jahre nach den NS-Spielen in Berlin – halte ich als politisch sehr problematisch.

2. Unvereinbarkeit mit den DOSB-Kriterien

Die Reisezeiten zwischen Köln (dem aktuell geplanten Olympischen Dorf) und vielen Wettkampfstätten überschreiten klar die Vorgaben von weniger als 1 Stunde.

Aktuell kenne ich kein realistisches Lösungsszenario für dieses Thema.

3. Infrastrukturprobleme

Das geplante Olympische Dorf in Köln-Kreuzfeld(?) passt nicht in die existierenden städtebaulichen Planungen von Kölns 87ten Stadtteil; ein Umbau würde den aktuellen Ansatz komplett verändern. So fehlen bisher ausreichende Bahn- und Autobahnanschlüsse bzw. sind gar nicht vorgesehen. Die Anforderungen an Trainingsstätten (max. 30 Minuten entfernt) sind somit kaum erfüllbar.

Köln braucht bezahlbaren Wohnraum und einen funktionierenden Nahverkehr – heute, nicht erst 2036, 2040 oder 2044. Wenn Wohnungen, Bus und Bahn für Olympia schneller ausgebaut werden könnten, warum dann nicht schon jetzt für die Menschen, die hier leben?

Gute Politik heißt: Projekte an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten, nicht am Kalender des IOC.

4. Fehlende sportpolitische Grundlage & kaum Nutzen für den Breitensport

Der Breitensport und Schulsport in NRW waren und sind deutlich unterfinanziert; es bestehen alleine Investitionsbedarfe in die Sanierung von Sportplätzen und Turnhallen in Milliardenhöhe in NRW.

Breitensport lebt von Hallen, Schwimmbädern, Vereinen und Menschen, die sich Tag für Tag im Ehrenamt engagieren. Genau dort fehlen in Köln und NRW seit Jahren die Investitionen. Eine zweiwöchige Veranstaltung mit ein paar Medaillen hilft nicht. Wer es ernst meint mit Sport, steckt das Geld in dauerhafte Sportstätten, die täglich genutzt werden – nicht in eine Einmal-Show für IOC-Funktionäre.

5. Geringes Vertrauen in die Verwaltung

In NRW – besonders Köln – fehlt leider das Vertrauen in die Fähigkeit, Großprojekte zu managen. (das aufzählen der vielen bekannten Beispiele an dieser Stelle erspare ich mir)

6. Hohe Kosten & unsichere Finanzierung

Bürger*innenentscheide, Öffentlichkeitskampagnen und die innerdeutsche Bewerbung kosten bereits bis zu 25 Millionen Euro. Die Internationale Bewerbung kostet erfahrungsgemäß bis zu 100 Mio. Euro (und das ohne Bestechungsgelder; hohoho). Olympische Spiele verursachen Gesamtkosten im zweistelligen Milliardenbereich, wobei seit 1960 keine Ausrichterstadt das geplante Olympia-Budget eingehalten hat. Der nachhaltige Mehrwert der Ausgaben/Kosten ist noch offen. Schaut man auf die aktuellen und zukünftigen Haushalte der NRW-Kommunen, eine mehr als diskutable Ausgabensituation.

7. Aktuelle Stimmung

München hat eine breite Unterstützung von 66% (bei 42% Wahlbeteiligung), in vielen NRW-Städte sind die Bewohner*innen derzeit eher gegen eine Bewerbung.

8. Fragwürdiges IOC (Internationales Olympisches Committee)

Das IOC diktiert Bedingungen, kassiert die Gewinne und überlässt den Städten die Risiken. Es ist steuerbefreit, handelt mit autokratischen Regimen und steht regelmäßig in der Kritik wegen Einschränkungen bei Pressefreiheit und Versammlungen. Kleine Reformen ändern nichts am Grundproblem: ein milliardenschwerer Konzern, der Transparenz und Demokratie mit Füßen tritt. Das passt nicht zu einer Stadt wie Köln.

9. Wirtschaftlicher Nutzen: kurz und klein

Befürworter:innen versprechen Impulse für Tourismus und Wirtschaft. Studien zeigen: Der Effekt ist gering, kurzfristig und bricht nach den Spielen wieder ein. Gewinner sind vor allem die IOC-Sponsoren, nicht die lokale Wirtschaft. Die Milliardenkosten für Köln stehen in keinem Verhältnis zu den wenigen Wochen Olympia.

10. Köln kann auch ohne Olympia begeistern

Konzerte, Sportgroßveranstaltungen, Messe-Highlights (und viel mehr; dabei schreibe ich explizit mal nicht: Karneval und Kölner Dom) haben gezeigt: Köln ist attraktiv, lebendig und weltoffen. Dafür braucht es kein IOC. Statt Milliarden für ein zweiwöchiges Risiko-Event zu verschwenden, sollten wir in die nachhaltige Entwicklung der Stadt investieren – für bezahlbare Wohnungen, funktionierenden Nahverkehr, eine starke Kultur und echte Sportförderung.

Mein erstes Fazit

Die deutsche Bewerbung der Region Rhein-Ruhr für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zeigt viele positive und negative Aspekte auf. Aktuell tendiere ich eher zu einem: Bruche me nit, fott domet. Ich bin sehr gespannt auf die Diskussionen der kommenden Monate.